Wanderrouten mit einer Gesamtlänge von rund 80 km bieten einzigartige Einblicke in die vielfältigen Landschaften im Schweizerischen Nationalpark.
Wilde Gebirgslandschaften, tiefe, von ständiger Erosion gezeichnete Täler. Der Schweizerische Nationalpark zeigt sich seinen Besuchern auch nach 100 Jahren in seiner ganzen Ursprünglichkeit. Und dies hat seinen Grund. Im Nationalpark gilt nämlich seit seiner Gründung am 1. August 1914 ein „absoluter“ Schutz vor menschlichen Eingriffen.
Die Natur verwaltet sich selbst und kann so ihren dynamischen Prozessen freien Lauf lassen. Was dabei rausgekommen ist, lässt sich sehen. Keine Lawinenverbauungen, keine Bachverbauungen, keine Feld- und Waldbewirtschaftung und keine Jagt. Einzig ein Netz mit 80 Kilometer Wanderwegen wurde angelegt um den interessierten Besuchern einen Zugang zu diesem einzigartigen Naturspektakel zu gewähren.
Entstehung und Entwicklung
Die Gründung des Schweizerischen Nationalparks ist Grunde genommen einer Hand voll Visionäre zu verdanken. Sie sorgten sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts zunehmend um die fortschreitende Erschliessung der Alpen. Es müsse ein Stück Land reserviert werden, wo die Natur vollkommen sich selbst überlassen sei. Am 1. August 1914 war es dann soweit; der Schweizerische Nationalpark wurde feierlich eröffnet. In der Folgezeit erlitt die Entwicklung des Nationalparks auch mehrere Rückschläge. 1936 wurde das Val Tavrü wieder aus dem Park ausgegliedert. Oder 1957, als das Schweizer Volk den Engadiner Kraftwerken die Konzession zur Nutzung des Spölbachs erteilte. Das ökologische System veränderte sich natürlich dadurch nachhaltig. Im Jahr 2000 wurde dafür die Fläche des Nationalparks um 3.6 km2 auf die heutigen 170.3 km2 erweitert. Die Macun-Seenplatte wurde in den Perimeter der Parkfläche integriert. Und 2008 wurde in Zernez das neue Nationalparkzentrum eingeweiht.
Wandern im Nationalpark
Der aussergewöhnliche Reichtum an Alpentieren wie Gämsen, Hirsche und Murmeltiere sind eines der Markenzeichen des Nationalparks. Vielfältige Alpenpflanzen sorgen für Farbe entlang der Wanderwege. Zahlreiche Wanderwege mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden bieten vielfältige Möglichkeiten den Nationalpark wandernd zu entdecken. Dabei gilt es stets die im Nationalpark geltenden Schutzbestimmungen zu beachten.
Weitet man das Wandergebiet auf das unmittelbare Umland des Nationalparks aus, so entsteht ein Wanderparadies von gigantischen Ausmassen und von berauschender Vielfalt. Malerische Landschaften im Val Müstair, stille Täler wie das Val Mora oder spektakuläre Schluchten à la Val d'Uina oder die Clemgiaschlucht sorgen für ausserordentliches Wandervergnügen, das Seinesgleichen sucht.
Facts & Figures zum Nationalpark
Lage Kanton Graubünden (Engadin)
Höhenlage 1400 m ü.M. (Clemgia/Scuol) – 3174 m ü.M. (Piz Pisoc)
Fläche 170,3 km2, (17030 ha)
Gründung 1.8.1914 (Beginn: 1909 mit der Val Cluozza, Zernez)
Ziele totaler Naturschutz, Forschung, Information
Pachtgemeinden (in %) Zernez (66,5), S-chanf (13,5), Scuol (13,2), Val Müstair (4,7), Lavin (2,1)
Wegnetz 80 km offizielle Wanderrouten, wovon 2 alpine Routen (weiss-blau-weiss)
Die Bergwanderung vom Ofenpass via Alp Buffalora nach Il Fuorn führt zu grossen Teilen durch die grandiosen Landschaften des Schweizerischen Nationalparks.