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Saas Fee – Zermatt, eine Traumtour in 3 ½ Tagen

Im Sommer bin ich 78 Jahre alt geworden. Als Geburtstagsgeschenk wollte ich nochmals einen Teil der Viertausender sehen, auf denen ich in meinem erfüllten Bergsteigerleben gestanden bin. Es wurde eine grandiose Tour, bei herrlichstem Wetter und entsprechenden Aussichten. Ich war alleine unterwegs, meine Jahrgänge kann man für ein solch anspruchsvolles Vorhaben kaum mehr motivieren.

Das Matterhorn im ersten Morgenlicht

Saas Fee - Grächen

Weissmies und Fletschhorn, später das Bietschhorn sind die Begleiter. Es ist warm, entsprechend tost das Wasser vom Bidergletscher, das erstaunlicherweise in einem Tunnel unterquert wird. Eine hörbar schnaubende Gemse, nur wenig ab dem Weg, erinnert mich an das Schild „Steinwildpfad“. Tiefblicke vom Bockwang sind nur etwas für Schwindelfreie, fast 1000 Meter unten ist Saas Balen zu sehen. Eine Holzbrücke über den Schweibbach, der die Wasser vom Balfrin ableitet, führt zur Roten Biel. Halbzeit. Felsige Abschnitte über weitläufige Gruben leiten zum „Stock“, einem speziellen Aussichtspunkt. Einladende Waldwege führen zur Bahn auf der Hannigalp und hinunter nach Grächen. Acht Stunden war ich unterwegs auf diesem wunderbaren Höhenweg.


Grächen – Europahütte – Randa   

Die Königsetappe. Grandios und anspruchsvoll. Wer beeindruckt mehr, der filigrane Nadelgrat über dem zerrissenen Riedgletscher, das stolze Weisshorn mit seiner wilden Ostwand oder das Matterhorn, das immer mehr ins Sichtfeld rückt? Es fängt harmlos an, ich folge der „Drieri“, einem Suonenweg, zum Riedbach. 1‘000 Meter steigt der Weg steil zum Grat an und führt zum überlebensgrossen Standbild des heiligen St. Bernhard, dem Schutzpatron der Alpenbewohner. Aus dieser Sicht habe ich das Weisshorn noch nie gesehen. Begeisterung packt mich. Sie hilft mir über die Mühen der anspruchsvollen, weiten Wege. Nicht einmal der Hängebrücke kurz vor der Europahütte gelingt es, mich aus dem Tritt zu bringen. Über den Dom-Hüttenweg steige ich nach Randa ab. Und störe eine prächtige Alpenviper dabei, die letzten Sonnenstrahlen zu geniessen. In der einbrechenden Dunkelheit warte ich auf den Zug, der mich nach Täsch bringt. Elf Stunden, welche Eindrücke und wie viel Lebensfreude.


Täschalp – Pfluwepass – Fluhalp

Mit dem Taxi erreiche ich bequem die Täschalp. Dem Wanderer werden in dem weiten Tal Tierbeobachtungen in Aussicht gestellt. Sie sind heute offenbar in höhere Gefilde abgerückt, wo es weniger warm ist. Auf breitem Weg geht es zum Talabschluss unter dem weit zurückgegangenen Längflue-Gletscher. Der Weiterweg ist zwar blau/weiss signalisiert, aber weniger anspruchsvoll als die bisherigen Wege in rot/weiss. Steil und unterhaltsam geht es an einem kleinen See vorbei zum Pass auf 3‘155 m. Hier eröffnet sich ein Panorama das einen fast erschlägt. Zum Glück gibt es eine Ruhebank. Nordend, Dufourspitze, Liskamm, Castor und Pollux, Matterhorn, Ober Gabelhorn und Zinalrothorn stehen Spalier. Und keine Wolke am Himmel. Welche Pracht. Zur gastfreundlichen Fluhalp geht es nur noch abwärts. Die sechs Stunden über den Pfluwepass haben sich gelohnt.


Fluhalp – Grindjisee – Zermatt  

Vor meinem Zimmerfenster auf 2600m erlebe ich einen phantastischen Sonnenaufgang am Matterhorn. Im Halbdunkel sieht man die Stirnlampen der Kletterer aufblitzen. Als Dessert – im Vergleich zu den vorhergehenden Tagen – erwartet mich ein Abstieg von drei Stunden nach Zermatt. Im bezaubernden Grindjisee spiegelt sich im Morgenlicht das Matterhorn. Über Findelen und Winkelmatten tauche ich ein in die grossstädtisch anmutende Bahnhofzone von Zermatt. Welcher Kontrast zu den vergangenen Tagen. Oft begegnete ich stundenlang keiner Menschenseele. Ich habe die Stille und eine Traumtour genossen. Dass ich das noch erleben durfte, dafür bin ich dankbar.


Galerie

Auf dem Höhenweg nach Grächen Berggasthaus Fluhalp in Sicht Das Matterhorn spiegelt sich im Grindjisee
Blick zum Nadelgrat Nordend und Dufourspitze Weisshorn

Text und Bilder: Bruno Eigenmann, Trogen Schweiz (23. - 27.08.2016)